Die Restaurierung

Dringend notwendige Maßnahmen

Konservatorische Maßnahmen

Der heutige Zustand des Christusfensters ist besorgniserregend, wie eine Untersuchung durch die Mitarbeiter der Dombauhütte ergab. Eine umfassende Restaurierung der 18 kunstvollen Scheiben ist daher dringend erforderlich. Die notwendigen Arbeitsschritte erstrecken sich dabei von konservatorischen über technische bis hin zu archivierenden Maßnahmen.

 

Notwendig sind vor allem die Entfernung von Schmutzkrusten, die Sicherung gelockerter Bemalung und die Klebung zahlloser Sprünge. Zudem muss bei allen Scheiben das Bleinetz stabilisiert werden, d. h. Verformungen müssen zurückgeführt und gebrochene Bleie gelötet werden. Erforderlich ist auch die Entfernung alter Trockendoublierungen auf zerbrochenen Glasstücken; diese Doublierungen sind mikrobiell belastete Feuchtedepots, die Glas und Bemalung substanziell gefährden.

 

Austausch der Schutzverglasung

Ebenso wichtig wie die konservatorischen Maßnahmen an den Scheiben ist der Austausch der alten, völlig unzureichenden Schutzverglasung aus den 1970er Jahren. Diese wird durch eine durchgängige Konstruktion mit Scheiben aus Sicherheitsglas ersetzt. Sie wird anstelle der Originale in die Fensteröffnung eingebaut und übernimmt fortan die bautechnische Aufgabe als Klimascheide. Die Glasmalereien werden mit einigen Zentimetern Abstand innenseitig vor die Schutzverglasung montiert und sind somit künftig vor Witterungseinflüssen geschützt. Eine besondere technische Herausforderung wird es sein, die Aufhängung der historischen Scheiben so zu konstruieren, dass die Erschütterungen, denen das Christusfenster durch den Betrieb des benachbarten Bauaufzuges in der Ecke des Nordquerhauses ständig ausgesetzt ist, abgefangen werden. Hier bedarf es einer innovativen technischen Lösung.

 

Dokumentation und Einordnung in die Kunstlandschaft

Die Restaurierung des Christusfensters schließt eine arbeitsbegleitende Dokumentation ein. Darin wird von jeder Scheibe der Bestand, d. h. der Anteil von Originalsubstanz und späteren Ergänzungen aufgezeichnet sowie der Zustand von Glas, Bemalung und Blei. Alle Maßnahmen werden schriftlich und bildlich belegt. Zudem werden von sämtlichen Scheiben Großaufnahmen des Vor- und Nachzustandes angefertigt. Damit wird erstmals aussagekräftiges Bildmaterial für die kunsthistorische Forschung zur Verfügung stehen. Denn obwohl die beiden Bildzyklen des Christusfensters zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen der kölnischen Glasmalerei der Renaissance zählen, steht ihre Einordnung in die Kunstlandschaft dieser Zeit immer noch aus.

 

 

Mit der dringend notwendigen Konservierung und Restaurierung wird nicht nur der materielle Fortbestand des Christusfensters gesichert. Auch die künstlerische Qualität, die lebendige Bilderzählung und eindringliche Schilderung der Passionsgeschichte werden für künftige Betrachter wieder anschaulich erlebbar sein.